Tuesday, September 27, 2016

Das System

Wenn es ein paar böse alte Männer in einem finsteren Hinterzimmer wären, dann wäre die Lage gut. Dann könnten wir James Bond dort hinschicken und das Böse bezwingen. 
Aber so ist es nicht. Der Kampf richtet sich nicht gegen ein paar böse Ausreißer am Ende der Welt, sondern gegen ungesteuerte, sich selbst erhaltende Ideologien. Und diese stecken in jedem von uns. Wir können entscheiden, ob wir uns willfährig von unserer eigenen Ignoranz kontrollieren lassen wollen, oder ob wir unser Leben in die Hand nehmen und selbstbestimmt der Fremdbestimmung ins Auge blicken.
Wir kommen auf die Welt und sind unmittelbar verstrickt in einem engmaschigen Netz verschiedener Glaubenssysteme, die kaum je ein direktes, rückführbares Ziel haben. Es sind kopflose Sklavenhalter, Viren, deren einziger Zweck in ihrer bloßen Existenz besteht.

1)
Wir erlernen Verhaltensweisen von unserer Umgebung, den uns nahestehenden Menschen. Wie bewege ich mich, was sage ich zu wem, was und wen esse ich, was und wen nicht, wer ist mir suspekt und wem schenke ich vorschüssiges Vertrauen, wie kleide ich mich, ...? Das WARUM bleibt meistens unter Verschluss, da unsere Mitmenschen darauf selbst keine Antworten kennen (wenn wir denn nur fragen würden). Wenn mehrere Bausteine zusammenfallen, werden wir früher oder später manches schon hinterfragen, dieses Hinterfragen aber hat meist kein System, es ergibt sich aus Zufall.

2)

Wir lesen/schauen/hören die Nachrichten und glauben selbst als kritischer Geist viel zu vieles viel zu schnell. Nachrichten konstruieren unser Weltbild, sie geben uns Informationen über zahllose Begebenheiten, die mit unserem persönlichen Leben nichts zu tun haben. Als selbstbestimmter Konsument ist es an uns, die Mechanismen und Ziele von Medien, die uns Informationen liefern, zu erlernen, zu verstehen und für eine gedeihende Evolution des Geistes produktiv zu interpretieren.


3)
Wir glauben an unsere Einzigartigkeit und vertrauen der inhärenten Logik unseres Gehirns. Es macht schon Sinn, warum soll ich darüber diskutieren mit einem anderen Gehirn? Wir sind so elendig provinziell inmitten all der Globalisierung und merken nicht, welches Volumen an Lebendigkeit im Austausch mit anderen steckt.

zu 1)

Wann habe ich entschieden, "dass man das nicht macht"? Dass es unhöflich ist zu widersprechen, dass es höflich ist, andere nicht mit sich zu belästigen, dass ich mich für natürliche körperliche Vorgänge zu schämen und diese zu verstecken habe, dass mein Aussehen/Gewicht auch nur irgendeine Relevanz besitzt für Fremde, dass ...?Wann habe ich als Kind beschlossen, nur mehr Hunde und Katzen süß zu finden und alle anderen Tiere zu essen? In welchem Alter verstarb die Empathie, die zuvor noch grenzenlos war, als ich ganz naiv dahinlebte und keinen Unterschied erkannte, wo auch kein Unterschied ist, wo nur andere mir einen Unterschied eingebläut haben, um die Abstumpfung zulassen zu können? Wo ich gelernt habe, welche Art von bewusstem, und, bis auf ökonomische Gesichtspunkte, unnötigem Töten in Ordnung ist?

zu 2)

Wie viele Menschen kenne ich eigentlich etwas besser als 'Guten Morgen, ein Weckerl bitte'? 20, 50, 100, 1000? Wie viele Orte dieser Welt habe ich selbst gesehen? Und was glaube ich nicht alles über Millionen von anderen Menschen und Orten, weil es in schwarzen Buchstaben auf ebenem Untergrund gekritzelt ist? Wo ist die persönliche Neugier, wo der externe Zensor? Wem habe ich erlaubt, meine persönlichen Empfindungen per "objektivem" Bericht zu aktivieren? Objektiv, was für ein pervertiertes Wort.


zu 3)
Wie komme ich dazu, alles auszublenden und dem lächerlichen Konstrukt der eigenen Erfahrung unbeirrbaren Stellenwert beizumessen? Von einer einzigen persönlichen Erfahrung auf die Gesamtheit der Prozesse zu schließen, welche diese Welt weben; von einzigartigen Erfahrungen Schlüsse über andere Menschen in anderen Situationen zu ziehen?

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